1.000.000

1.000.000

Mit dieser Schlagzeile will die Boulevardzeitung Aufmerksamkeit erregen. Für die Flüchtlingssituation. So viele Flüchtlinge wurden Anfang Dezember in Deutschland gezählt. Die Diskussion um Auffanglager, Zwischenlager, Endlager, Quoten und Rückführungen sind in aller Munde. „Flüchtlinge“ wird zum „Wort des Jahres“ gewählt. Die Situation der direkt und indirekt Vertriebenen wird von den Medien geradezu instrumentalisiert. Die Vorbereitungen zur Unterkunft, die Ankunft und Abreise der Hilfesuchenden auf dem Stegskopf wird täglich in der Zeitung protokolliert, nur kurz unterbrochen wegen der Anschläge in Paris und dem Bundeswehreinsatz in Syrien. Widerstände formieren sich gegen… – ja gegen was eigentlich? Wir verschließen schon unsere Tür, obwohl die Zuflucht-Suchenden ganz woanders anklopfen. Irgendwie will sich da bei mir keine weihnachtliche Stimmung einstellen.

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit. Fröhliche Weihnacht – überall…?

Da passieren plötzlich zwei Ereignisse:

Ich erhalte einen Brief des Herrn Manfred Alhäuser aus Gummersbach. Er berichtet, dass er über Umwege den Zeitungsartikel über das sanierungsbedürftige Haus Alhäuser erhalten hat. Herr Alhäuser berichtet weiter, dass er selbst nie in Giesenhausen gelebt hat. Aber sein Großvater Karl, der in diesem Haus auch geboren worden ist. Er berichtet weiter von seines Großvaters Vater, Friedrich Wilhelm Alhäuser. Und einigen Vorfahren mehr. Und dann die 1892 begonnene Auswanderung aus Giesenhausen quer durch Deutschland schließlich 1944 nach Gummersbach. Auf zwei Seiten schildert er von drei Generationen, die vor, während und nach den Wirren der beiden Weltkriege Zuflucht suchten. Und von Menschen, die den Bombenkrieg nicht überlebten. Unser Dorf kennt er selbst nur aus den vielen Erzählungen seines Großvaters. Dies hatte ihn bereits 1956 veranlasst, hier Urlaub zu machen. Dann, weitere 60 Jahre später, rückt das Geburtshaus seiner Vorfahren wieder in den Mittelpunkt. Giesenhausen ist ein Stück Heimat.

Wenige Tage später erhalte ich wieder Post. Eine Postkarte, wie ich sie so bisher noch nicht kannte. Feldpost. Aus dem Kosovo. Von dort kommen beste Grüße an das gesamte Dorf, die ich hier gerne weitergebe:

„An alle Giesenhäusener ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch.
Mit kameradschaftlichem Gruß
Stabsunteroffizier D. Bitzhöfer“.

Seit 15 Jahren ist die NATO Sicherheitstruppe KFOR dort im Einsatz. Neben der Friedenssicherung ist eine der Aufgaben, die Rückkehr von Flüchtlingen und Vertriebenen zu fördern.

 

Über beide Nachrichten habe ich mich sehr gefreut. Solche Momente „kann man nicht kaufen“. Auf der einen Seite die Erlebnisse der Flucht und die Erzählungen der Heimat. Auf der anderen Seite das Engagement für den Frieden und für die Sicherung der Heimat Anderer. Sie lassen mich innehalten und nachdenken über das, was gewesen ist. Über das was gegenwärtig ist. Und über das, was noch sein wird.

 

Fröhliche Weihnacht – überall…!

Ich möchte mich bei den Beigeordneten, den Mitgliedern des Gemeinderates, den Gemeindearbeitern, den örtlichen Vereinen sowie bei allen Weiteren, die im abgelaufenen Jahr uneigennützig für das Wohl unserer Ortsgemeinde tätig waren, für die gute Zusammenarbeit und ihren Einsatz bedanken.

Ich wünsche allen Einwohnern Frohe Festtage und einen guten Start in das neue Jahr 2016.

 

Ihr Michael Meier,
Ortsbürgermeister.


Beitrag veröffentlicht

in

von

Schlagwörter: